HAIR - Das Musical in Heidelberg

HAIR - Das Musical in Heidelberg

Das legendäre Hippie-Musical hat auch 50 Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seiner Energie verloren – und geht ab auf Tour durch Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Belgien und der Schweiz.
„The American Tribal Love-Rock Musical“ – feierte 1966 als Off-Broadway- Inszenierung seine Uraufführung und gilt bis heute als Meilenstein des Musiktheaters. In HAIR sucht die Hippiebewegung der 68er ein neues Lebensgefühl: eine Gesellschaft jenseits von Krieg, Rassentrennung und Autorität. Eine Ära im Zeichen von „Aquarius". Make love, not war! Im Musical „HAIR – The American Tribal Love-Rock Musical“ erleben die Zuschauer nicht nur eine brillante Show aus Tanz, Musik und farbenfrohen Kostümen, sondern nehmen gleichzeitig an einer unterhaltsamen und dramatischen Geschichtsstunde teil. Untermalt wird die Geschichte mit der seinerzeit für Musicals überwältigenden Anzahl von über 30 Song-Titeln. Die Texte von James Rado und Gerome Ragni sowie die Musik von Galt MacDermot haben die Popkultur ihrer Zeit entscheidend geprägt und die Songs von „Aquarius“ und „Hair“ bis „Hare Krishna“ und „Let the sunshine in“ sind bis heute legendär. „HAIR - The American Tribal Love-Rock Musical”, umgesetzt von der „Broadway Musical Company New York”, tourt durch Europa.
„Good morning starshine“ - Ein musikalisches Epos
USA, Ende der 1960er Jahre. Esoterik, Räucherstäbchen, LSD und freie Liebe – das sind die ausschlaggebenden Attribute der Blumenkinder. Im Mittelpunkt der Geschichte von HAIR stehen der aus patriotisch- bürgerlichen Verhältnissen kommende Claude H. Bukowski und die Hippie- Truppe von George Berger. Der zu seiner Einberufung nach New York gereiste Claude wird immer mehr in einen inneren Konflikt getrieben, ein
Konflikt durch seine Erfahrungen mit Berger einerseits und seiner konservativen Herkunft andererseits. Soll er seine neu erworbenen, pazifistischen Ideale ignorieren und als Soldat in Vietnam seinem Land dienen, Menschen töten und vielleicht sogar sein eigenes Leben riskieren? Oder soll er seinen Dienst verweigern, und somit eine Gefängnisstrafe und gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen?
Claude und Berger lehnen sich mit vielen Gleichgesinnten gegen die Regeln und Beschränkungen der Gesellschaft, in der sie leben, auf. Sie sind überzeugt davon eine neue Lebensform gefunden zu haben, die geprägt ist durch die Liebe zueinander, die Gewaltlosigkeit und den Frieden. Sie hoffen auf ein neues Zeitalter im Zeichen des Wassermanns, in dem Werte wie Freiheit und Wahrheit höchste Bedeutung haben.
Gemeinsam suchen alle nach Gründen, der Army zu entgehen. Vortäuschen von Homosexualität? Das Vernichten des Einberufungs- befehls? Die Eltern können das mangelnde Verantwortungsbewusstsein ihrer Kinder nicht verstehen, ebenso wenig ihr Nichtstun und ihr Aussehen. Berger musste die Universität verlassen, da die Professoren einen Drogen konsumierenden, langhaarigen Rebellen nicht länger dulden wollten.
Beim Be-In, zu dem auch das Musical-Publikum eingeladen und zum Zeugen und Betroffenen wird, verbrennen alle bis auf Claude ihre Einberufungsbefehle. Er nimmt ihn im letzten Moment aus dem Feuer und wird mit allen anderen Beteiligten von der Polizei verhaftet. Claude hat resigniert und macht sich bereit für den Krieg. Mit dem Koffer in der Hand kommt er, um Abschied zu nehmen. Er hat es nicht geschafft, sich gegen die Einberufung aufzulehnen. Wieder einmal soll Rauschgift helfen die Wirklichkeit erträglicher zu gestalten. Gemeinsam begeben sie sich auf einen spirituellen trip. Von Vietnam geht Claudes Reise zurück bis zu George Washington und den Indianerkriegen, sowie zu Abraham Lincoln und dem Bürgerkrieg. Jeder tötet jeden. Schwarz kämpft gegen Weiß,

Sklave gegen Herr, eine Religion gegen die Andere. Wieder aufgewacht gestehen sich Berger und Claude ihre unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben. Berger will nichts tun, sich treiben lassen, high bleiben. Claude möchte unsichtbar sein, der einzige Wunsch, der ihm in „diesem Dreck noch bleibt". Gemeinsam mit den Anderen verbringen sie die letzte Nacht der Welt.
Claude wird tatsächlich von vietnamesischen Kämpfern erschossen. Unsichtbar geworden, können ihn die Anderen weder sehen noch hören, als er kommt und ihnen erzählt, dass es ihn erwischt hat. Berger erweist der auf einem schwarzen Tuch liegenden Leiche die letzte Ehre. In einem allerletzten Auftritt besingt Claude gemeinsam mit ihm die Schönheit des Hippie-Daseins.
Easy to be hard - Die Geschichte hinter dem Musical
Die Vorlagen zu HAIR entstanden durch Gerome Ragni und James Rado, die sich als einfache Schauspieler kennenlernten. Durch die Provokationen des damaligen modernen Theaters und den Unruhen, ausgelöst durch die Protestbewegung, entstand ein Text aus einer Symbiose aus harten, vorwurfsvollen Zeilen und einer friedlichen, weichen Poesie. Diese Harmonie, die eigentlich voll von Kontrasten ist, schaffte es, die Spannung und die inhaltliche Bedeutung noch weiter hervorzuheben.
Nach zahlreichen Off-Broadway Aufführungen arbeiteten die beiden Schöpfer von HAIR gemeinsam mit Galt MacDermot an einer musikalischen Inszenierung. Dem ehemaligen Kirchenmusiker und Organist gelang ein grandioser Einklang aus Rhythmus, Harmonie und Instrumentierung. Zu den ersten Aufführungen des Musicals kam Bertrand Castelli als Regisseur hinzu. Castelli war Anführer mehrerer Friedensmärsche und landete häufig im Gefängnis. Er schaffte es, HAIR die radikale, pazifistische Philosophie
einzuhauchen und machte somit das Musical zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
Ende der 1960er Jahre waren über eine halbe Million Soldaten in Vietnam stationiert. Als Antwort auf den Vietnamkrieg und die herrschenden Verhältnisse, entwickelte sich ein Protest aus Demonstrationen, Studentenunruhen und Aufmärschen. Diese Revolte fiel zusammen mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegen Apartheid, Rassismus und Gewalt. Lange Haare, Blumenschmuck und die freie Liebe stilisierten sich hierbei zu Symbolen des Widerstands. Auch in Deutschland entbrannte eine Studentenbewegung gegen die etablierten Verhältnisse. Das Musical HAIR reflektiert die Gefühle der jungen Leute zu dieser Zeit und zeigt auf, dass die Hippies und Blumenkinder alles andere waren als verschmuddelte Gammler und Faulenzer. Sondern junge, von den Revolten beeinflusste Studenten, Schüler und Arbeiter.
1967 war die Uraufführung der Off-Broadway Inszenierung. Seit 1968 spielte HAIR fast durchgehend am Broadway und erlangte wenig später auch weltweiten Erfolg. 1979 wurde HAIR von Michael Weller verfilmt. Die musikalische Verfilmung hat sich bis heute millionenfach verkauft.
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